Der Sommer ist mit seinen hellen Nächten die Zeit der Feste, dies trifft sich gut für das alljährliche Sommerfest und die Abiturverleihung.
Dieses Jahr liegt beides fast unmittelbar um die Sommersonnenwende herum. Es sind die ersten Feste, die wir als neues Kollegium und als neue große Schulgemeinschaft miteinander gefeiert haben.
Vieles was mit dem Prozess des Zusammenwachsen unserer zwei Kollegs zu tun hat, lässt sich kaum besser beschreiben als es Herrn Bühring in seiner Rede bei der Abiturverleihung am 26. Juni 2026 gelungen ist, daher möchten wir sie hier in Schrift und Ton mit Ihnen teilen:
Rede zur Abiturfeier
(Das Flamingobild ist inspiriert durch Axel Hackes Kolumne „DritterTierversuch: Der Flamingo“)
Bevor ich anfange, eine Warnung: Diese Rede enthält die Wörter Flamingo,Junge und kochen. In dieser Reihenfolge. Drei Jahre, 1095 Tage. Fast genau die Halbwertszeit von Polonium-208. Für die meisten von Ihnen fing diese Zeitspanne nicht hier an. Zwei Drittel von Ihnen kommen vom ehrwürdigen Berlin-Kolleg in der Turmstraße.
Welches umzugserprobt ist: Schöneberg, Tiergarten, Moabit – und jetzt wieder nach Schöneberg. Großes Gebäude hell und harmonisch, mit enormem Innenhof, Fahrstuhl und einem eigenen Kino im Haus. Ehrlicherweise: zu groß geworden. Da lernen jetzt Siebt- und Achtklässler eines neuen Gymnasiums – die Plätze wurden gebraucht.
Das andere Drittel war schon hier, in der Nürnberger Straße – direkt am Europacenter, klein, ein Jugendstilgebäude von 1904, in dem schon Marlene Dietrich zur Schule ging, und ein Haus mit einem eigenen Geist, der in kein Formular passt. Wer hier war, weiß, was ich meine. Aber auch dieses Haus war, ehrlicherweise, allein nicht mehr zu füllen.
Und dann alle hier. Sogar die Namen ließen sich gut fusionieren.
Dieses letzte Jahr war… besonders. Wir hatten ein Gerüst ums Gebäude. Wir hatten Flure, auf denen man sich nicht begegnen konnte, ohne sich anschließend zu kennen. Wir hatten Räume, in denen „Sitzabstand“ ein rein theoretisches Konzept war. Zwei Kollegs, ein Gebäude, gut gefüllt.
Wissen Sie, woran mich das erinnert hat? An Flamingos Im Zoo machen einen die Flamingos immer ein bisschen nachdenklich. Zwanzig, dreißig Vögel, jeder auf einem Bein, jeder für sich. Rilke hat sie so beschrieben:„und stehn, auf rosa Stielen leicht gedreht, beisammen, blühend, wie in einem Beet.“
Schön. Aber eben: ein Beet. Überschaubar. In ihrer Heimat dagegen leben Flamingos zu Hunderttausenden zusammen.
Und erst dann passiert es: Reisende beschreiben seit Jahrhunderten ganze Seen, die aussehen, als würden sie glühen. Ein einzelner Flamingo ist ein Vogel. Hunderttausend Flamingos sind ein Naturwunder.
Ich will nicht behaupten, dass Sie auf unseren Fluren wie Flamingos aussahen. Aber der Punkt ist: Zwei Kollegs, jedes für sich völlig in Ordnung.
Zwei Kollegs zusammen, unter einem Gerüst – plötzlich etwas, das mehr ist als die Summe. Das haben wir geschafft.
Zugegeben, manche Idee hat auch Federn gelassen, und es war nicht alles rosarot. Wenige fühlten sich nach der Fusion am Anfang eher geteert und gefedert als beflügelt. Aber am Ende sind wir doch geflogen. Wie man heute sieht.
Und das ist nicht selbstverständlich. Die meisten von Ihnen sind nicht hier, weil das Leben so schön gerade verlaufen ist. Sie sind hier, obwohl etwas dazwischengekommen ist. Obwohl Arbeit war. Familie. Krankheit. Angst. Kein Geld. Krieg, Flucht, Zweifel. Viel mehr als der ganze übliche Kram. Und dann noch ein Gerüst.
Wilhelm Busch hat für den heutigen Tag ein ganzes Gedicht geschrieben. Es heißt
„Niemals“:
Wonach du sehnlich ausgeschaut,
Es wurde dir beschieden.
Du triumphierst und jubelst laut:
„Jetzt hab ich endlich Frieden!“
Ach, Freundchen, rede nicht so wild,
Bezähme deine Zunge!
Ein jeder Wunsch, wenn er erfüllt,
Kriegt augenblicklich Junge.
Da ist es, das zweite Wort. Und Busch hat recht: Kaum haben Sie das hier geschafft, fängt das Nächste an. Neuer Wunsch, neues Problem, neues Abenteuer.
Oder moderner:
„Please, everyone, just let me cook.“
Lasst mich machen. Ich weiß, was ich tue. Das ist ab heute Ihr Satz. Sie dürfen jetzt kochen. Eigenes Rezept. Eigene Zutaten. Und wenn es schiefgeht – auch das gehört dazu. Sie haben bewiesen, dass Sie durchhalten. Sogar in engen Fluren, unter Gerüsten, mitten in einer Fusion. Sie haben bewiesen, dass aus vielen Einzelnen etwas werden kann, das leuchtet.
Das Zeugnis können Sie rahmen. Aber das, was Sie wirklich mitgenommen haben – das passt in keinen Rahmen.
Ich bin jedes Mal sehr beeindruckt, wenn ich sehe, wie sich meine Kollegiatinnen und Kollegiaten entwickeln. Wie dieser bunt zusammengewürfelte Haufen sich mischt und alle profitieren. Wie sich lebenslange Freundschaften bilden. Sogar Kinder wurden schon geboren. Der Freigeist und der Exsoldat, die alleinerziehende Mutter und der leidenschaftliche Gamer, der Gebäudereiniger und die Arzthelferin, der Veganer und die Grillmeisterin, HSV und FC Bayern, Berghain und Ballermann.
Mit den Berufswünschen: Historiker, Arzt, Pilotin, Psychologe, Informatikerin, Chemikerin …
Ein bunter Schwarm fliegt heute aus.
Apropos:
Flamingo. Junge. Kochen. Alles da!
Herzlichen Glückwunsch zum Abitur. Und jetzt, liebe Abiturient_Innen:
Let them cook!
Danke Herr Bühring!
Danke auch an unseren wunderbaren Musikfachbereich und den LehrerInnenchor für die musikalische Begleitung der Feier!
Neun Tage zuvor erst – am 17. Juni – hatten die AbiturientInnen ihre Prüfungsergebnisse erfahren und weil dies das letzte Mal war, an dem die gesamte Abiturstufe am Kolleg war, ging dieses Ereignis direkt in unser Sommerfest über.
Dieses wurde ganz eigenverantwortlich von unserer fantastischen Schülervertretung organisiert: Der Hof war festlich geschmückt; es gab süße und salzige Köstlichkeiten, vielfältige Getränke und ein Bühnenprogramm des Theaterkurses der E-Phase mit ernsten sowie lustigen Beiträgen und wunderbare Musik von Lima Isabell und Ben.
Die Atmosphäre war freudig und entspannt, selbst ein paar Ehemalige haben auch zu früher Stunde in ihr altes Kolleg gefunden.
Unser neuer Hausmeister konnte kaum glauben, wie ordentlich und schnell gegen Ende alles aufgeräumt wurde.
Kurz: Es lief wie am Schnürchen!
Hilfreich dafür ist sicherlich die Anwesenheit von Gastronomieprofis in der Schülervertretung: Danke Lina!
















